| Dem Herrn Paulsen sein Kiosk |
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Donnerstag, 10. Juli 2008
Herr Paulsen geht aus: Summerjam 2008, Fühlinger See, Köln
herr paulsen
09:03h
Mittwoch
![]() Ich steige aus. Mitten auf der Autobahn. Stelle den Motor ab, öffne die Fahrertür und gehe zum Kofferraum. Irgendwo finde ich eine kurze Hose und ein Unterhemd. Ich bin jetzt uniform mit den Lastwagenfahrern, die seit zwei Stunden neben mir stehen. Im Vollsperrungsstau. Am heißesten Tag des Jahres. Sagt das Radio. Flimmernde Hitze über endlosem Autohaubenhorizont. Einen Tag früher als sonst bin ich aufgebrochen, zum jährlichen Summerjam-Ausflug, ein guter, ein perfekter Zeltplatz soll es sein, ein Frühbezieher-Super-Platz, auf geradem Grund, am Ufer des Fühlinger Sees, direkt am Wasser. Doch der Tag wird langsam müde, schon vor zwei Stunden sollte ich Sir Peter am Kölner Bahnhof auflesen, jetzt steh ich hier. Doch die Bahn bleibt sich treu! Sir Peters Zug steht ebenfalls seit Stunden auf freier Strecke. Heute im Angebot: Selbstmörder-Alarm. Hubschrauber kreisen. … Die dürre Ganztätowierte serviert Kölsch im Schatten des Doms, noch eins und noch eins, dann geht es endlich zum See. Sir Peter und ich, tausend Kilo Gepäck, zwei Zelte, Muskelkraft und Bierbenzin. Wir finden den Platz, den perfekten, sogar mit Hausnummer an der Straßenlampe, wir überlegen gerade eine Tageszeitung zu abonnieren, da wird’s plötzlich hektisch. Der heißeste Tag des Jahres ist vorbei, kräftige Winde zerren an schlecht befestigten Zelten, jetzt bitte schneller aufbauen. Erst einzelne dicke Tropfen ins Gesicht, dann viele kleine, dann regnet es Ströme. Schade dass wir noch mal zum Auto müssen. … Hin und zurück sind es insgesamt sechs Kilometer. Wir sind durchgeweicht, nass bis auf die Unterhose, in die ich zuletzt verzweifelt mein Handy schob. Im Zelt erstmal trockene Klamotten. Ansonsten alles nass. Die Matte auf der ich schlafen werde. Und das Zelt. Sogar innen. Merke: ein Doppelzelt mit zusätzlichem, behaglichem Wohnbereich in der Mitte, für sagenhafte 49,99 Euro, funktioniert nur bei Sonnenschein. Draußen geht die Welt unter. Wir essen kalte Würstchen aus der Dose mit Vollkornbrot, kauen langsam auf salzigen Erdnüssen rum und sehen den Wanderungen der Wasserstrassen über unseren Köpfen zu. Irgendwann schläft sogar die schlechte Laune. … Donnerstag Gerade war da Sonne! Zumindest regnet es nicht an diesem Morgen, schnell den Grill aufgebaut und das traditionelle Grillfest nachgeholt. Es gibt verschiedene Grillwürste vom Hamburger Schlachtermeister, dazu Steaks und einen Gemüse-Couscous-Salat. Starker Regen setzt ein, ein eisiger Wind weht über den schwarzen See, die Bäume rauschen energisch. Wir verbringen den Tag im Zelt. Wenn wir Durst bekommen lecken wir Wasser von den Zeltwänden, manchmal öffnen wir auch eine Dose Bier, träumen von Schnaps und warmen Decken. Die Zeit schleicht. Morgen kommt unsere Schwester. Morgen wird alles sehr, sehr gut. Ganz bestimmt. Wasserflecken modern, leise knacken morsche Knochen. … Abends durch die Regenpause zum Rastaman. Über halbierte Blechtonnen mit glühender Kohle gebeugt, grillt der ehrwürdige, alte Herr saftig-knuspriges und feinscharfes „Jerk-Chicken“. Dazu wird Reis serviert, mit schwarzen Bohnen und Gemüsematsche. Sensationell. Im offenen Dancehall-Zelt nebenan, dehnen sich gähnend die dicken Boxen, es kommt aber nur Club-Urlaubs-Sunshine-Reggae heraus und wir gehen lieber zurück zum Zelt, trinken sizilianischen Rotwein, beschließen gute Laune zu haben, ab jetzt. Freitag ![]() Graukalter Morgenhimmel, windige Wellen, egal ich steige in den See, ich muss, ich fange an zu riechen, heute kommt die Schwester! Per Handy meldet sie sich, sie sei jetzt da, an der Bändchenausgabe, wir sind ganz aufgeregt, Sir Peter und ich, rufen laut der Schwester Namen ins Gewühl der Bändchenausgabe. Es melden sich überraschenderweise zwei Frauen und ein Mann mit verregnetem Humor. Aber da dann doch, da steht sie, unsere Schwester, Ami, auf dem Summerjam und in diesem Moment bricht die Sonne durch und ich kann mich von diesem Moment an auch an kein Regen und kein Grau mehr erinnern. … Wir haben Ami das Ticket geschenkt, weil sie so gefehlt hat im letzten Jahr, als wir ein Brüdertreffen gemacht haben. Jetzt wissen wir nicht so genau, ob sie das auch alles gut finden wird, zeigen erstmal den schönen Zeltplatz, für den wir zwei Tage Schrummpelhaut kassiert haben, holen die Stühle heraus und den Crémant aus dem Elsass. Von der Insel kommt Musik, das Festival hat begonnen, wir stoßen an, Plastikbecher quietschen erfreut, Sonne funkelt auf dem See. ![]() … Das Programm ist heute so hm. Tarrus Riley spielt in der Abendsonne auf der kleineren, lauschigen Bühne, die ich seit Jahren bevorzuge, wunderbar warmen Roots-Reggae, ganz neu, aber wie aus einer anderen Zeit, ein schöner Auftakt. Tarrus Riley: www.myspace.com An einer afrikanischen Garküche bestellen wir den Festival-Klassiker „Chicken Yassa“, Hähnchenteilen in einer cremigen Zitronen-Senf-Sauce, dazu Couscous. Jedesmal glaube ich danach kurz, ich wäre nur wegen des Huhns hier. Queen Ifrica spielt auf, gemeinsam mit Etana bildet sie die Speerspitze einer neuen Generation von weiblichen Reggae-Stars, die sich nicht mehr auf Brüste-Bauch-Beine-Po reduzieren lassen und zu billigem Playback-Gewummer von ihren Liebeskünsten berichten. Die neuen Frauenstimmen des Reggae haben tatsächlich eine Stimme, sind politisch, legen wert auf gutes Songwriting und haben eine Band mit brillanten Musikern hinter sich. Und sehen natürlich weiterhin unverschämt gut aus. Big up, come again! Queen Ifrica: www.myspace.com Etana: www.myspace.com Nach einem solchen Auftakt sind die Headliner des Abends Culcha Candela, die „Reggae“-Latin-Hip-Hop-Party-Bumbum-Gasgeb-Boyband aus Berlin nur schwer zu ertragen. Wir haben ja uns und es ist noch Wein da, den wir im Licht der zelteigenen Straßenlaterne leeren. Ohropax und weg. Samstag ![]() Der See erfrischt, klares Wasser funkelt in der Morgensonne, der Haubentaucher taucht, die Enten wackeln neugierig die Zeltstadt ab, durch mächtige Bäume fällt fleckig warmer Sonnenschein. Weißwurstfrühstück vom Gaskocher, Beerenmüsli, Milchkaffe mit frisch aufgeschlagenem Milchschaum, man muss ja die Esskultur nicht zuhause lassen, nur weil man vorübergehend im Zelt wohnt. … Sebastian Sturm eröffnet um 13:00 Uhr auf der Hauptbühne den Tag, gemeinsam mit der grandiosen Jin Jin Band. Wir haben derzeit in Deutschland keinen größeren Reggae-Sänger und es gibt wenige so gute Reggae Bands wie Jin Jin. Sturms Interpretationen des Rootsreggae der 70er Jahre ist inniglich und federleicht, seine Perfomance energetisch, dazu Jin Jin, orgelschwer, knackige Gitarren auf den Punkt, alles fließt. Die Songs des neuen Albums „One Moment in Peace“, das am 29.08. erscheint, tönen prächtig. Das findet auch Veranstalter Klaus Maack der nicht müde wird Sturm zu preisen. Und Maack überrascht mit der öffentlichen Aussage, er sei nicht „so ganz zufrieden“ mit dem Line Up 2008, „Summerjam braucht mehr Roots Reggae“. Die Fans danken Sturm und Jin Jin mit Hingabe und Begeisterung, noch nie in der Geschichte des Summerjams waren so viele Menschen bei einem Auftaktkonzert. Gänsehaut auf und vor der Bühne. Es ist einer dieser Momente, für die ich jedes Jahr komme, mich einregnen lasse und kalte Würstchen esse. Sebastian Sturm: www.sebastian-sturm.com www.myspace.com ![]() … Darauf habe ich Jahre gewartet. Roy Paci und Aretuska sind zurück. Ich entdeckt die Band einst auf dem Summerjam, seitdem gehören die Sizilianer zur Gruppe meiner meistgeliebten Bands und Paci ist der most featured Artist in meinem Blog. Irgendwas scheint aber schief zu laufen (Meine Schwester meint, es läge an meinen geringen Leserzahlen, eine Einschätzung die ich entschieden ablehne!). Nur etwa 150 Menschen (von 25.000 Festivalbesuchern!) finden sich zur Wiedersehen-Party vor der kleinen Bühne ein. Die geschmeidige Mischung aus Swing, Reggae, Ska, Mambo und der traditionellen, italienischen Banda-Musik, im Mix mit Hip-Hop und Salsa, findet beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch die Band ist leicht irritiert, lustige Singspiele greifen auch nicht, kaum jemand hier scheint die Alben zu kennen, man freut sich mit großer Zurückhaltung. Beherzt tanze ich 90 Minuten durch, singe mit und mache alle doofen Mitmach-und-Winkewinke-Spielchen mit, die Band gibt auch alles, orchestrale Wucht, die Bläser gehen sensationell nach vorn, alles tanzt, große Gesten, Amore und Feuer. Werte Damen, Herrschaften: sicher nicht zum letzten Mal, lege ich Ihnen eine der wunderbarsten Bands der Welt ans Herz: www.aretuska.com www.roypaci.it ![]() … So, schöner wird’s nicht, von mir aus können wir fahren. War nur Spaß. Jetzt kommen Pantéon Rococó aus Mexico. Die Herrschaften treten in Fußballmannschaftsstärke auf und blasen einem eine beeindruckende Druckluft-Wall of Sound um die Ohren. Mexikanischer Ska, mit schweren Metall-Gitarren und luftigem Salsa, dargebracht von finster dreinblickenden, bärtigen Mexikanern und einem Saxophonisten der an Alice Cooper gemahnt und sich auch so benimmt. Fledermäuse kommen aber nicht zu Schaden, die Revolution lebt! An dieser Stelle mag meine kluge und in Klassischer Musik gebildete Schwester zitiert werden, die den Auftritt von Pantéon Rococó und das Festival allgemein so kommentierte: „ Ich muss nicht jede Musik mögen, kann aber dennoch jeden Musiker respektieren. Ich bin erstaunt wie viel unglaublich gute Musiker und Bands hier sind. Die Beherrschung und Verwebung unterschiedlichster musikalischer Stile und Strömungen ist große Kunst, verlangt Könnerschaft.“ Wo darf ich unterschreiben? Pantéon Rococó: www.panteonrococo.com www.myspace.com … Zeit für die obligatorische Mittagspause, die wir am Seeufer auf der Insel verbringen. Bisschen dösen, lecker Essen, ein Sekt für den Kreislauf und weiter geht’s. Da hinten wird’s schon wieder dunkel. Boah. Alpha Blondy aus Frankreich spielt auf, schöner Roots-Style, bevor es in den Pop-betonten Headliner-Abend geht. Wieder einmal gibt sich Patrice die Ehre und meinen Aufzeichnungen entnehme ich, dass er schon 2005 im Nachmittagsprogramm behauptete: „this is not a concert, this is a church!“ Ich meine: „Da wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen!“. Patrice spielt freundlichen Songwriter-Pop mit einer Prise Reggae und Sprechgesang. Außerdem regnet es schon wieder. Nach einer kurzen Krise rette ich das Festival durch den Kauf eines Plastikregenschutzes. Kaum habe ich das entwürdigende Teil über gestülpt, hört es auf zu regnen. „Da nicht für!“, wie wir Hamburger sagen. www.alphablondy.info www.patriceonline.net … ![]() Hip-Hop Legende Common beehrt unterdessen die kleine Bühne. Zehn Minuten nach Konzertbeginn ist Common immer noch am Begrüßen: Hände hoch, hallo Köln, bliblahbluuuub.“ Dramatisch dröhnts backwards vom Plattenteller. Minute 15: „Hallo Köln, seid ihr im Haus?“ Wir brechen ab, das kommt heute kein Sprechgesang mehr. Hauptbühne: Shaggy. Ich mag den Reggae-Klassenkasper. Seine Interpretation von „Oh Carolina“ war toll. Er macht das schon länger als viele andere. Wenn man dann da aber so zuhört und es reiht sich Hit an Hit, fällt plötzlich auf wie sensationell gefällig und poppig das ganze ist, wie glatt und langweilig. Boah, der EM-Song war auch von Shaggy? Meine Fresse! Gut dass wir schon seit einer halben Stunde am Zelt sitzen. www.common-music.de www.urban.de … Sonntag Weckruf durch Dr. Ring Ding. Auch wieder so ein Artist, den ich regelmäßig im Blog erwähne, weil der Mann einfach was kann. Konzerte geben zum Beispiel. Gute Laune galore! Spielfreude pur mit der großartigen Band Soulfood International. So klingt Ska heute und wir skanken in der Mittagssonne. Danke Meister! www.ringding.de www.soulfoodinternational.de … Soulfood International begleiten auch den nächsten Act, Derrick Morgan, King of Ska, 68 Jahre alt, mittlerweile erblindet, wird zum Mikrophon geführt. Der warme, rumpelige Sound des frühen Ska setzt ein, wiegend, weiche Bläsersätze. Morgan tastet sich stimmlich nach vorn, zunächst zögerlich, dann erfasst er den Respekt und die Liebe des Publikums und dreht mächtig auf! Auch wieder einer dieser Gänsehaut-Momente, an diesem sonnigen Nachmittag. Derrick Morgan: www.myspace.com de.wikipedia.org … Nochmal Legenden. Die Bandmitglieder von Bob Marley und Peter Tosh haben sich zu „Tosh meets Marley“ zusammen getan und präsentieren die alten Weisen live in glasklarem Sound. Das ist umwerfend gut, beseelt, mächtig und wunderschön. Diese Musik ist unendlich groß und unsterblich. Ein Chor von 15000 Menschen. One Love. Für diese Stunde. … Shantel spielt auf, mit dem Bucovina Club Orkestar. Was vor Jahren unter dem Begriff Russendisko in Deutschen Clubs Einzug hielt, findet seine Fortsetzung in der großen Schublade Balkan Beat. Seitdem schwingen Roma, Kroaten, Serben, Bulgaren, Polen, Tschechen und Ungarn gemeinsam das Tanzbein, das Akkordeon, die Trompeten. Der Frankfurter DJ Shantel (Stefan Hantel) gehört mit seinem „Bucovina Club“ zu den Pionieren dieser fröhlichen Bewegung. Er verzierte, als einer der Ersten, diese ohnehin schon sehr tanzbare Melange mit zarten Beats und dicken Bässen. Dafür erhielt er 2006, als erster Deutscher überhaupt, den renommierten BBC Award for World Musik. Was im Club funktioniert ist live und mit Band ein Hammer. Die Geige reitet über rasende Trompetenläufe, schluchzende Gesänge, ein Publikum außer sich. Großartig! Applaus! www.bucovina.de Das Festival endet mit Stephen Marley dessen preisgekröntes 2007er Album „Mind Control“ intelligenten, modernen Reggae zu Gehör bringt. Doch Stephen Marley ist auch Erben und er präsentiert sein Erbe live, unbeschwer, selbstbewusst und fröhlich, jeder zweite Song ist vom Vater. This, lieber Patrice, is a church. Stephen Marley: www.stephenmarleymusic.com www.myspace.com ![]() … Der brennende Abendhimmel erst blau, dann schwarz, ein Feuerwerk noch, ein letztes Mal ins feuchte Zelt, dann war es das wieder und schön war es, die Bands, die Musik, die Menschen, das Essen, der Wein und ganz besonders die Geschwisterzeit, wir Drei Mal wieder für uns, ganz unbeschwert gefeiert, uns, die Musik und das Leben. Macht man ja alles viel zu selten. Danke Euch! …………………………………………………………… Fotos: Der Fotograf Thomas von der Heiden hat wunderschöne Fotos von fast allen Artists gemacht: Bildgalerie aus einslive.de außerdem: Bigupmagazin Fotostrecke Reggaephotos.de ... comment
amidelanuit, 2008.07.10, 12:13
schön geschrieben. sehr schön! und ebenfalls danke:)
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clavain, 2008.07.10, 12:36
Roy Paci habe ich durch ihr Blog schätzen und lieben gelernt. Deshalb freue ich mich besonders ihn und seine Band morgen beim Schwaneninsel Open Air in Waiblingen zum ersten Mal Live zu sehen. Am Samstag sind dann noch Figli Di Madre Ignota da, das wird sicher auch gut.
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ednett, 2008.07.10, 19:00
Falls Sie beabsichtigen, einen "Verein zur Förderung des Ansehens Poy Pacis in Deutschland" zu gründen, dann beantrage ich hiemit schon einmal den Mitgliedsausweis mit der Nummer 2.
Es gibt Dinge, die muss ein Mann tun......... ... Link
herr paulsen, 2008.07.11, 08:01
Mitgliedsausweis Nr. 2 geht in den Druck! Und Ihnen Clavain viel Spaß beim Konzert, melden Sie sich, wenn Sie Mitgliedsausweis Nr.3 wollen.
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loco en la cocina, 2008.07.12, 12:26
Schöner Bericht
Wie immer! So als ob man da gewesen wäre, nur ohne die lästige Musik.
Ob es so gut schmeckt wie beim Summerjam bezweifele ich, aber hier wie wir besprochen hatten das Jerk Chicken Rezept! JERK CHICKEN ZUTATEN (FÜR 4 PERSONEN) 100 Zwiebeln 40 g frischer Ingwer 3-4 rote Chilischoten 1 TL gemahlener Piment 1/2 TL getrockneter Thymian etwas geriebene Muskatnuss 1 TL Zimtpulver 1/2 TL Nelkenpulver 3-4 EL neutrales Öl 2 EL Worcestershire 2 EL Limettensaft 1 Hähnchen in Stücken Salz Pfeffer Die Zwiebeln pellen und grob schneiden. Ingwer schälen und grob zerschneiden. Chilischoten halbieren und entkernen. Mit Piment, Thymian, Muskatnuss, Zimt, Nelkenpulver, Öl, Worcestershire und Limettensaft sowie einer Prise Salz in der Küchenmaschine fein pürieren. Die Hähnchenteile mit einem spitzen Messer oder Küchengabel mehrmals einstechen. In einer Schüssel in der Marinade wenden und mindestens 4 Stunden mit Klarsichtfolie abgedeckt marinieren. Hähnchenteile aus der Marinade nehmen und auf einem Holzkohlegrill bei nicht zu hoher, möglichst indirekter, Hitze rundherum je nach Größe 15-20 Minuten grillen. Hier ne Anleitung zum Grillen bei indirekter Hitze. Grillanleitung Ich grille meist auch mit Deckel zu! ... Link
jere, 2008.08.24, 00:05
reggae
wer den reggae so negativ sieht sollte karibikessen lieber nicht auf seinem speisezettel haben, voll daneben sorry.
summerjam war super greetings jere ... link
loco en la cocina, 2008.08.24, 09:53
das mit der "lästigen" musik ist ein altes spiel von mir und paulsen. ganz ruhig bleiben.
und laut ihrer aussage sollten dann auch nur fans von heino rouladen essen dürfen. und wer ein döner kauft sollte gefälligst eine tarkan-platte in regal haben. so ein schmarrn. ... link ... Comment
loco en la cocina, 2008.07.12, 12:35
Oh, noch was!
Dass einer der Veranstalter meint, es müsse eigentlich mehr Roots-Reggae geben ist doch in etwa so, als ob der Chef vom Hurricane sagt es müsse in Scheeßel mehr Bands geben die wie The Eagles klingen.
Bei Rock sind es "Oldies," beim Reggae "Roots"? Dass die Musiker sich auch in Jamaika weiterentwickeln und andere Styles mit aufnehmen, ist doch gerade was den Reiz ausmacht. "Get up! stand up!", ist heute doch so aktuell wie "Hotel California." ... Link
herr paulsen, 2008.07.12, 17:23
Klingt super, das Jerk Chicken Rezept, wird ausprobiert, irgendwann in einer Regenpause in diesem Deutschen Sommer. Den Nachhall Bob Marleys mit der Schaffe der Eagles zu vergleichen, finde ich eher ungelungen, verstehe aber was Sie meinen. Ich verstehe aber auch was Klaus Maack sagt. Hören Sie sich doch mal Sebastian Sturm oder Tarrus Riley an, oder Gentlemans "Journey to Jah" Album, das ist intelligenter, moderner Roots-Reggae. Und etwas mehr davon wäre schön auf dem Summerjam, zwischen Dancehall-Fäuste-Kirmes und Culcha Candela-Dudelfunk. Aber um wirtschaftlich zu bleiben, muss eben auch der Veranstalter manchmal mehr Kompromisse machen, als es ihm und vielen Summerjam-Festivalbesuchern lieb ist.
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loco en la cocina, 2008.07.12, 18:06
Jein.
Also ich würde nicht behaupten wollen, dass die Eagles soviel Bleibendes zur Musikgeschichte beigetragen haben wie Bob Marley. Aber diese ganze "Keep the fire burning"-Mentalität halte ich für, wie soll ich sagen: iiih? Niemand geringerer als der Dalai Lama (abwarten) hat gesagt, dass er es zwar akzeptiert das Europäer den Buddhismus annehmen, aber der Ansicht ist, diese sei eine östliche Sache, alleine wegen der tausendjährigen Tradition und wie der Glaube in den Alltag verwickelt ist. Wenn Maack nun meint mehr Roots müsse her, dann finde ich das irgendwie anmaßend. Tosh, Marley und Burning Spear waren gut, wichtig, aber auch gestern. Lady Saw, Shaggy und leider auch die homophoben Hardcore-Dancehall-Typen entstammen aber auch diesem Land und dieser Tradition. Wenn ich die ganzen Rasta-Locken-Träger aus Henstedt-Ulzburg sehe, denk ich immer den Dalai Lama. Das ist immer ein bisschen Verkleidung, und es passt gut zum Joint. Die damit einhergehende "früher war alles besser, echter, more real" Einstellung hat was von Trachtenvereins-Romantik. Aber hey, nur meine Meinung. Aber Culcha Candela, das geht wirklich nicht. ... link
herr paulsen, 2008.07.13, 12:15
Das ist ein spannendes Thema, gerade in diesem Jahr haben Sir Peter und ich da viel drüber gesprochen. Die Hauptproblematik liegt meiner Ansicht nach nicht in der Frage Roots oder Reggae-Moderne, denn das ist letztendlich einfach eine Frage des persönlichen Musikgeschmacks und manchmal auch der musikalischen Bildung. Ich ertrage die aktuellen hormongebeutelten Dancehall-Schreihälse von der Insel nicht, noch weniger kann ich den schmalzigen, von billigem amerikanischem R´n´B verseuchten Lovers-Mist hören, diese süßlich klagenden Voicecoder-Stimmchen.
Viel interessanter ist die Frage nach der Identität. Weißbrote die den Reggae tanzen standen schon immer unter Verdacht, da hat jeder so seine Abziehbilder und Schablonen, vom hängen gebliebenen Latzhosenkiffer bis hin zum von Ihnen genannten "Rasta-Locken-Träger aus Henstedt-Ulzburg". Wenn der es ernst meint, respektiere ich das übrigens, der Herr steht mir sogar wesentlich näher als ein homophober jamaikanischer Superstar, der ernsthaft eine Single mit dem Titel "Mi nah rape" auf den Markt wirft ("Haffi get di pussy but mi nah rape"). Ich glaub es hakt, da dürfen die Ladys auch noch dankbar sein, oder was. Ich bin ein Deutsches Weißbrot und höre Reggae. Ich kenne die Probleme Jamaicas, ich habe mich schlau gemacht. Ich identifiziere mich nicht mit Jamaica oder der Rastafari Religion, viele der angesagten Musikstile von der Insel ertrage ich nicht, noch weniger ertrage ich die latente Schwulen- und Frauenfeindlichkeit. Unter anderem, weil ich einem anderen Kulturkreis angehöre. Im Gespräch mit Sir Peter, wie viel Jamaica wir denn so im Plattenladen des Herzens tragen, machten wir eine interessante Entdeckung: den meisten Reggae den wir hören, kommt aus Deutschland, aus England, aus Frankreich, aus ganz Europa und ist von Weißbroten gemacht. Die Deutsche Reggaeszene z. B. ist riesig, sehr lebendig und innovativ. Dub und Ska werden heute variantenreich überall in Europa produziert und weiterentwickelt, denken Sie nur an die spanische Mestizo-Musik oder die britischen Soundtüfftler. Die Impulse kommen momentan nicht (mehr), oder nur spärlich von der Insel, die mit Armut und Gewalt zu kämpfen hat. Schlechte Produktionsbedingungen und schwierigen Vertriebswege für die Musiker und Musik sind ebenfalls ein großes Problem. Moderner Reggae wird heute überwiegend vor unserer Haustür gemacht und weiter entwickelt. Auf der Basis des wunderbar satten Roots-Reggae, dem traditionellen Ska, dem mächtigen Dub, dem Erbe Jamaicas an dem zumindest ich mich nicht satt hören kann. ... link
ednett, 2008.07.13, 18:59
Oh Mann, da ist man mal zwei Tage nichtg auf Ihrer Seite und verpasst prompt eine von mir geliebte musiktheoretische Diskussion.....
@ loco Ich glaube, der (ausnahmsweise) weise Satz des Dalai Lama lässt sich nicht auf den Reggae anwenden, den die Geschichte des Reggae auf Jamaika ist eben nicht Jahrtausende alt, sondern gerade mal 50 - 60 Jahre (wenn man den Vorläufer Ska mit einrechnet). Er ist also nicht wesentlich älter als die heute überall omnipräsente Rock und Popmusik. Doch während heutzutage jeder, der eine Gitarre umhängen kann und zwei Griffe leidlich beherrscht, sich überall ohne irgendwelches Hinterfragen als Rockmusiker bezeichnen kann, hat es der Reggae als "internationale" Musikform immer noch schwer. Mick Jagger stammt nicht direkt oder indirekt von den Sklaven auf den Baumwollfeldern ab - warum kritisiert man dann bei Gentleman dessen fehlenden Roots auf Jamaika? Aber in einem haben sie recht: Culcha Candela geht gar nicht (mehr) ... link
herr paulsen, 2008.07.13, 19:18
Ich hatte ehrlich gesagt schon auf Sie gewartet, Ednett, als klugen, und vor allem informierten Beiträger, danke.
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loco en la cocina, 2008.07.14, 08:54
Ich glaube nicht dass ich irgendjemanden die Möglichkeit, Fähigkeit oder das Recht abgesprochen hatte, Reggae zu machen (außer vielleicht Culcha Candela!)
Ich sage ja auch nicht dass Wolfgang Schlüter das Vibraphon nicht hätte anfassen dürfen weil er nicht aus Louisiana kommt, oder Boss Hoss kein Country spielen darf,weil sie Berliner sind. Ich finde es nur komisch, dass ausgerechnet der Veranstalter diese Aussage gemacht hat, sollte dieser doch genau wissen wie Musik sich entwickelt. Als Wyton Marsalis vor einigen Jahren Jazz at Lincoln Center als Leiter übernahm, sagte er er wolle dem "klassischen" Jazz mehr Gewichtung einräumen und kritisierte dabei auch das Jazz-Musiker an Hip-Hop-Platten beteiligt waren, und dadurch den Wert von Jazz negativ beeinflussen würden. Dafür gab es zurecht mächtig Kritik, vor allem von Jazzern wie Donald Byrd etc. die ihm vorwarfen den Jazz zu etwas Totem zu erklären, und daraus ein Museumsexponat machen zu wollen, anstatt den Jazz als lebendes Ding zu sehen, dass auch Richtungen nehmen kann (und muss) die Herrn Marsalis nicht gefielen. Ich gebe Herrn Paulsen auch Recht, dass die interessantere Musik (für uns) aus Europa kommt. Aber hier ist es ein Nischenprodukt, während die POP-Musik Jamaikas nun mal Reggae ist. Gerade die globale Mischung macht den Summerjam doch heute vielleicht erst richtig interessant. ... link
herr paulsen, 2008.07.14, 09:34
So sei es. Ich bin dennoch weiterhin der Ansicht, dass Maack mit seiner laut gedachten Forderung nach mehr Roots Reggae, vielen Jambesuchern aus dem Herzen sprach. Roots meint in diesem Fall auch nicht unbedingt nur die Urgesteine des Reggae zu featuren, Maack drückte vielmehr seinen Wunsch nach mehr Künstlern wie Sebastian Sturm aus, die den authentischen Roots-Reggae mit modernen Interpretationen am Leben halten und das ist ein guter, ein wichtiger Wunsch.
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loco en la cocina, 2008.07.14, 09:39
(Nachtrag: Letztlich ist die Aussage Maacks doch so, als ob ein 50+ Rocker beklagt, Franz Ferdinand wäre nicht so toll wie Steppenwolf. Was nichts über Qualität sagt. Es ist vielleicht tatsächlich nur eine Generations-Frage. Nu is aber auch gut.)
Jetzt kennen wir uns schon so lange, Herr Paulsen und haben uns immer noch was zu sagen. Herrlich! ... link
herr paulsen, 2008.07.14, 09:42
Das ist es ja leider: es gibt viel zu wenig Franz Ferdinand-Qualität im modernen Reggae, Herr Maack möchte mehr Franz Ferdinand! (Ich glaub jetzt hammas.)
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pjebsen, 2008.07.14, 22:04
Jerk Chicken
Schöner Bericht!
Die New York Times veröffentlichten Anfang des Monats einen sehr lesenswerten Artikel über Jerk Chicken in NYC (mit Rezepten): www.nytimes.com ... link
herr paulsen, 2008.07.15, 08:55
“My jerk is all natural, and a gift from God, and I give it all respect.”
“It’s not a sauce, it’s a procedure.” Klasse, Danke für den Hinweis, Peter! ... link
pantoffelpunk, 2008.07.30, 17:17
Hier, der Artikel ist wunderbar geschrieben, Deine Summerjam-Berichte habe ich bereits in meinem Outlook als zyklischen Termin eingetragen.
Vieles unterschreibe ich gern, auch wenn ich persönlich am Fühlinger See respektive heuer in Bersenbrück die Esskultur ganz getrost zu Hause lasse. Aber: Ich möchte Sie bitten, Panteon Rococo noch einmal zu besuchen und die noch besser zu finden. Vielleicht mal ein bisschen nach ihnen googeln? Oder den Film ma gucken? Ich weiß, ist ja alles Geschmackssache, aber die Jungs haben wirklich Ruhm Ansonsten: Weitermachen! ... link
herr paulsen, 2008.07.31, 09:43
Richtig Pantoffelpunk, zweite Runde muss, demnächst spielen Pantéon Rococó bei uns im Stadtpark, ich freu mich schon drauf!
... link
herr paulsen, 2008.08.12, 10:59
Ich bin nicht hin, ein weiteres verregnetes, nasskaltes Konzert hätte ich diesen "Sommer" einfach nicht mehr überstanden. Klimawandel jetzt!
... link
jere, 2008.08.24, 00:17
endlich gefunden
jetzt kann ich einen komentar abgeben,
ich verstehe nicht warum leute komentare oder zur not auch rezepte abgeben müssen, wenn sie die musik nicht mögen und auch garnicht kennen??? bob marley war ja ok, aber den modernen reggae, macht man hierzulande halt an sebastian sturm, nosliw, perfect, luciano etc,und alles was roots, modern roots ist, fest. In Jamaica halt dancehall, das kommt hier nicht so an. Deutschland mag den roots. und das ist gut so!!!!!!!!! und wir haben hier bei uns (in de )so tolle leute wie oben; aber auch(sam ragga, maxim, seed, dr. ring ding (maximum respekt), silly walks, und viele mehr das hat nix mit bob marley und eagles zu tun, das ist neue reggae musik,"Get up! stand up!"will ich auch nicht mehr hören, fand ich in den 70ern gut, ist vorbei! greetz jere ... link
ednett, 2008.08.24, 20:29
Jetzt muss ich doch einmal einen Gegenpol zum allgemeinen "Get up, stand up" - Bashing einnehmen.
Textlich ist das immer noch genauso aktuell wie damals und wenn man die Melodie mit einigen neuen Zutaten würzt und in einem neuen Gewand präsentiert, ist das immer noch (oder wieder) allerbeste Musik!! Beispiel gefällig: die wunder-wunderbaren Ojos de Brujo (Herr Paulsen, ich habe mir erlaubt, direkt das Video einzubinden - falls das nicht in ihrem Interesse sein sollte, schmeißen sie es ohne Zögern wieder raus) ... link
herr paulsen, 2008.08.25, 07:50
In vier Tagen erscheint das neue Sebastian Sturm Album, dass ist, wie man jetzt schon lesen kann, ein Meisterwerk geworden und es ist strictly Roots, da bin ich sehr gespannt.
Danke, Ed, Video ist prima! ... link ... Comment
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